Adventliches
So wird also bei uns am Montag, in anderen Einrichtungen sicher auch direkt am Sonntag, eine große Spirale aus Tannengrün die Kinder ins Innere zur Lichtesquelle führen, wo sie ihre eigene Kerze, die in einem Apfel steckt, anzünden, und sie wieder hinaus tragen und nach und nach auf der Spirale ablegen.
Der Raum ist bis auf die Kerze in der Mitte der Spirale zu Beginn völlig dunkel, und erstrahlt nach und nach im Licht der aufgestellten Kerzen der Kinder. Begleitet wird das Ganze mit diversen leisen, sanften Musikinstrumenten - z.B. der Kinderharfe - und leise gesungenen Liedern.
Die tiefergehende Bedeutung dieser Tradition erschließt sich eigentlich schon auf den ersten Blick:
Die Kinder werden auf einem Weg aus Tanngrün (Immergrün steht symbolisch u.a. für Beständigkeit und Unsterblichkeit) ins Innere geleitet, um ihren Apfel (=Lebenskräfte) mit der Kerze dort an der einzigen Lichtquelle anzuzünden. Sie holen sich das Licht aus dem Inneren, das sie nun nach draußen, in die Welt tragen. Die Kinder gehen den Weg nach innen allein, und bringen ihr einzelnes Licht mit, was zusammen mit den anderen den Raum bald in einen schönen Kerzenschein taucht.
Eine Geste also, die der Erwachsene eher allein, für sich, in sich gekehrt, vollzieht, die ein seelisch- geistiger Prozess ist, wird für die Kinder hier ganz "echt" erlebbar.
Im Raum herrscht dabei eine ganz wundervolle, verzauberte, andächtige Stimmung. Es kann einem nur das Herz und die Seele dabei aufgehen, wenn man beim Adventgärtlein dabei ist. Selbst dann, wenn man zu der Spiritualität dabei keinen Zugang findet.
Ich bin ja auch mittlerweile der Meinung, dass die Weihnachtsgeschichte in der Bibel einen reinen Symbolcharakter hat. Der "Heiland", der in dieser dunkelsten Winternacht geboren wird, ist nichts anderes, als unsere stärkste Kraft, auf die es sich zu besinnen gilt, wenn die äußere und innere Welt dunkel und kalt erscheint. Eine solche Besinnung geschieht allerdings nicht mal eben, sondern braucht eben seine Zeit. 24 Tage vielleicht? Auch die weiteren Gesichten um Jesus lassen sich symbolisch deuten, und allein vom Erzählen her finden sich gewisse Parallelen zu alten und neuen Märchen.
Nun, genug des heidnischen Geredes *g* - wir sind im Advent, heute ist das erste Türchen dran. Wer den Advent wirklich zur Besinnung nutzen möchte, kann das auf ganz einfache, und ganz "erdige" Art und Weise tun: denkt bei jedem Türchen, das ihr öffnet, an das Jahr, als ihr so alt ward, wie die Zahl darauf. Bei den ersten drei ist das nicht möglich; vielleicht stellt ihr euch da vor, wie das wohl damals gewesen sein könnte, wie eure Familie euch als Babys beim Weihnachtsfest umsorgt hat ... wie es dann war, als ihr im nächsten Jahr vielleicht schon laufen, sicher aber krabbeln konntet, und bestimmt den Schmuck vom Baum pflücken wolltet ... Wer sich dafür Zeit und Ruhe nimmt, wird den Advent sicher nochmal ganz anders erleben können als bisher ...
Ach ja und was bin ich dankbar, den Großteil meines Alltags, der ja nun mal "Arbeit" ist, mit Kindern verbringen zu können. Das ist gerade jetzt, in den kommenden Wochen, nochmal doppelt so schön wie sonst!
Und bei mir ist es jetzt - endlich!! - wieder Zeit für "Christmas Eve and other stories" vom Trans-Siberian Orchestra. *freu*

Danke, liebe Dorina, dass du mich hier (wenn auch nur virtuell) daran teilhaben lässt. Ich wünsche dir eine lichte Adventszeit!
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