Selbst-Wert Teil 2: Der Lohn der Arbeit
Man liest ja nur noch Nachrichten, in denen es um Geld geht. Viel Geld. Und viel fehlendes Geld vor allem. Dann liest man von armen Grundschul-Referendaren (ledig, kinderlos), die nebenher am Wochenende jobben müssen, weil sie mit ihren 1700 Euro netto nicht auskommen.
Und wie ich das so las, merkte ich, wie ich zum Einen unglaublich wütend wurde - darüber, dass jemand, der frisch von der Uni ins Berufsleben einsteigt, tatsächlich jammert, dass 1700 Euro, EINTAUSENDSIEBENHUNDERT, ums nochmal auszuschreiben, zu wenig sind. Herr oder Frau Schlau ist also trotz Abi und Studiumsabschluss nicht in der Lage, vernünftig zu wirtschaften. Bedauerlich.
Und außerdem merkte ich, dass sich der Frust, in dem ich jetzt stecke, anbahnte. Vom Selbst-Wert her betrachtet. Meine Arbeit, die ich im KiGa leiste, ist nämlich mehr wert, als die 7,50 Euro netto die Stunde, die ich bekomme. Unabhängig vom Wert meiner Arbeit ist es auch ein schiefes Verhältnis. Ich habe eine vierjährige Ausbildung hinter mir, die zur Hälfte aus praktischer Arbeit bestand. Und dann 7,50 Euro netto? Das ist zu wenig. Als ich früher nebenher gejobbt hab und Nachhilfestunden gegeben habe, hab ich das doppelte genommen. Weil ich meine Arbeit gut gemacht habe und sie das Geld wert war, Punkt.
Nun ist meine Situation die, dass ich, aus Mangel an verfügbaren Geldern, auch bloß als Ergänzungskraft eingestellt bin, obwohl ich aber eine Gruppe leite und Fachkraft bin. Und gemessen an der Verantwortung, die das mit sich bringt - zumal ich allein in der Gruppe bin - ist das völlig daneben. Wenn ich eine Gruppe leite, will ich auch entsprechend bezahlt werden. Und das wird so das nächste Unterthema des Selbst-Werts sein, das ich aktiv bearbeite. Ich habe mich schon bei dem Gedanken ertappt, durchaus auch die Einrichtung zu wechseln, wenn ich anderswo, wo es kollegial passt, besser bezahlt werde. Auch wenn es dann kein Waldorf-Kindergarten mehr ist.
