Regenspaziergang
Wir stiefelten also munter los, und schon wenige Schritte hinter der KiGa-Tür begegneten wir den ersten paar Schnecken, was die Kinder dazu veranlasste, bewusst nach Schnecken zu suchen, sie nach Farben zu unterscheiden, und sogar zu ermahnen, gut zu gucken, dass man bloß nicht auf eine drauftritt und sie "kaputt macht". :)
Der Wald selbst glühte regelrecht in einem magnetischen, hellen, satten grün, ein richtiges Vibrieren lag in der Luft, ganz herrlich... Die Zweige hingen tief vom Regen, und ich animierte die Kinder: "Kapuze auf und ab unter die Regendusche!" - was jauchzend und jubelnd umgesetzt wurde.
Die Luft war kühl, aber angenehm frisch und klar, und so ein regennasser Wald ist einfach ganz anders .... er klingt anderes, er fühlt sich anders an ... er riecht sogar anders. Ganz herrlich, eine rundum gelungene Sinneserfahrung, nicht nur für die Kinder *lach*
Leider bleibt auch "unser" Wald vom Müll nicht verschont, so dass ich immer mal wieder eine leere Zigarettenpackung, ein Trinktütchen o.ä. aufsammelte; die Kinder folgten meinem Beispiel begeistert und eine Vierjährige sagte sogar:"Das ist ja voll eklig soviel Müll in dem schönen Wald!" - ich gab ihr Recht. An eine Stelle kamen wir, da waren drei große Holzstapel aufgebaut, und einer davon war auf einer Seite verkohlt, also die Scheite warn gut ein Drittel durchgekokelt, die rumrumliegenden Bäume auch, und ein beißend-würziger Aschegeruch lag in der Luft. Das hat mich ziemlich erschrocken - wie schlimm riecht denn dann ein verbranntes Waldstück? Ich will's nie nie nie erfahren ...
1 1/4 Stunden und 101 Schnecken (laut einem Sechsjährigen) später empfing uns der heimelige Kindergarten mit seiner Wärme, den leckeren Küchendüften, Handtüchern für die etwas feuchten Haare und einem warmen Tee im Stuhlkreis. Die Kinder waren noch gar nicht wieder richtig angekommen, ich merkte, wie so noch völlig erfüllt von diesem Regenspaziergang waren; wir hatten noch etwas Zeit bis zum Mittagessen, und mir war danach, ein Märchen zu erzählen; rein intuitiv wählte ich "Jorinde und Joringel", was ich auch frei erzählen kann, verzichtete auf künstliches Licht und zündete nur ein Kerzchen auf dem Jahreszeitentisch an.
Mit leiser Stimme, ganz langsam, erzählte ich das Märchen und nahm die Kinder mit in meine Bilder; begleitet bloß vom Klopfen einzelner Regentropfen. Und so waren wir alle sieben für rund zehn Minuten nur noch körperlich anwesend - wenn das nicht magisch ist, dann weiß ich es auch nicht.
Was so ein Regentag alles macht... :)

Ich wollte heute auch so stark in den Wald, nur mein Freund ist Regenscheu und leider auch sehr krank =/ Habs dann heute richtig bereut das ich nicht dort war Hätte ja alleine fahren können...