Naturentfremdung
(Jedesmal, wenn ich dort oben bin, steigt der Wunsch nach einem eigenen Mini-Bauernhof in mir auf. Das ist und bleibt einfach Thema.)
Die 23 Kinder hatten erstaunliche Berührungsängste. Die Hofkatze war sehr beliebt und ließ geduldig allen Lärm und jedes gegenstrichige Streicheln über sich ergehen, die Esel freuten sich auch, die Ziegen und Hasen ebenfalls. Aber bei den Kälbern, die neugierig ihre Schnauzen durch die Balken schoben, zuckten viele zurück, die Hofhunde waren auch nicht geheuer und eine Schweineschnauze packte dann tatsächlich niemand an.
Und das fand ich dann doch irgendwie befremdlich. Natürlich sind die etwas größeren Kälber schon ein imposanter Anblick, und die haben soviel Kraft, dass man auch hier aufpassen muss, bei einem ihrer Schädel-Stuber nicht von ihren kleinen aber massiven Hörnern erwischt zu werden. Aber die Gelegenheit mal ein Kalb zu streicheln, die ist dann ja nun selten, für viele Kinder war es sicher eine einmalige Möglichkeit. Und dann so ein Zögern, fast schon eine Angst davor? Als ich in dem Alter war, wär ich vermutlich in den Stall reingekrabbelt...
Und auch über die Schweine wurde sich sehr amüsiert, aber anfassen wollte niemand. Das ist einfach schade. Den Kindern fehlt jetzt schon soviel. Niemand ist mehr unbefangen.
Statt Spiel in Wald, Feld, Wiese oder eben Garten, Park, von mir aus Spielplatz gibts halt "Programm" in Form von Turnen, Musikschule, schwimmen, tanzen, Aikido, Reiki, Ballett, Reiten...
Und natürlch fernsehen. Auch wenn sie "nur" das Sandmännchen gucken dürfen ... Bei den meisten bleibts aber eh nicht dabei, was so weit geht, dass die Kinder gar nicht mehr ihre ureigene Phantasie ins Spiel bringen, sondern im Fernseh gesehenes nachspielen.
Wir brauchen dringend einen Waldkindergarten. Wir brauchen dringend Tiere im Kindergarten. Wir brauchen mehr "Landleben" und weniger Verkehr ... Wir brauchen mehr Zeit und weniger Beschäftigung. Wir brauchen mehr Lange-Weile und weniger Reizüberflutung.
Wir alle.

allerdings muß ich sagen, daß ich als kind auch weder kälber noch schweine anfassen wollte...war irgendwie nicht so meins...
Ohja ein Mini-Bauernhof. Das ist mein Wunsch und Traum Nr. 1. Das ist schon fest in meiner Planung drinne nach der Uni. Und gerne auch ein eher verfallenes Haus was man dann selbst bisschen restaurieren kann. Hühner, Gänse, Ziegen alles Willkommen =)
Wie kann man nur eine Schweineschnauze nicht anfassen wollen? ^^ Ich habs mal bei so einem kleinen Fürzli getan ^^ Das fühlt sich an wie warmer, weicher Gummi. Sau süß...
Ansonsten wundert mich es ja nicht. Letztens als ich mit Hund Gassi war kam mir eine Frau mit Kind entgegen und wir trafen uns genau auf einer kleinen Brücke. Da schrie mir schon die Frau entgegen: Dürften wir bitte zuerst drüber? Der Kleine hat Angst vor Hunden. In dem Moment schaute ich grad auf meinen 5kg Hund runter und dann auf den Jungen und ich könnte schwören der hatte keine Angst. Zumindestens schaute er doch begeistert und lächelnd meinen Hund an. Erziehungstechnisch war das schon ne Niete. Man hätte ja stehenbleiben können und beobachten können und zeigen, dass man generell vor Hunden nicht Angst haben muß. Aber naja...
LG
Niphredil
Hihi, die Schweineschnauzen sind sooo witzig :-)) Und die Kälber sind soooo süß... und Kühe sind wunderschöne Tiere, wenn man sie mal wirklich ganz nah sieht. Die lassen sich auch streicheln, sind ganz zutraulich. (Wie kann man diese sanften Tiere ernsthaft abschlachten, um sie zu essen?!)
Die Hunde-Story, joah ... ist so ne Sache, meine Kolleginnen haben auch Angst vor Hunden, und gehen etwas seltsam damit um. Aber was Eltern an Ängsten (und Neurosen, z.B. extreme Sauberkeit, und an materiellen Wertvorstellungen und so) auf die Kindern projezieren, ist ungut. :-/
Niphredil, wo willst Du den Bauernhof starten? Ich will mitmachen!!!! :-)))