Berufsleben

Kindermund

Mädchen (5) beim Frühstück, in die Stille hinein:"Frau Georg, bald wirst Du schwanger!"

(Lass sie bitte keine hellseherischen Fähigkeiten haben... *gg*)

Zwei Mädchen, beide 5, unterhalten sich:
Mädchen 1 (kichert vor sich hin): "Hihi, und dann war ich mit der Mama baden, und da war sie nackt!"
Mädchen 2 (ganz interessiert): "Echt? Mit Brüste oder ohne?"
Mädchen 1 (überheblich): "Na mit Brüste natürlich!!!"
Mädchen 2 (nickend): "Ach so. Ich dachte ohne."

*rofl*

Mädchen (4) beim Frühstück: "Haben wir heute einen Termin?"
- sie meinte Eurythmie ... :-))

Der Wald ruft ...

Ach wie schön wäre so eine Waldkindergartengruppe. Der Floh, der schon lang in meinem Ohr umherhüpft, hat gerade einen Koffeinschock und raubt mir sogar meinen Schlaf, vor lauter Gedanken hin- und herwälzen. Der Wurzelfrau gehts wohl nicht viel besser :)

Nein, langfristig ist mir das nichts, allein in einer Gruppe zu arbeiten, auch wenn es "nur" 13 Kinder sind, und andere Gruppen wohl nicht soviel von den immer gern genannten unsichtbaren Fäden wahrnehmen. Das ist schon toll - ich denk: "Wir müssten langsam anfangen, aufzuräumen" und im selben Moment hör ich ein Kind: "Frau Georg, wir räumen schonmal auf". Ich denk: "Herbstreigen oder Zwergenreigen?" und ein Kind fragt: "Machen wir wieder den Reigen? Mit Wind oder mit Zwergen? Bitte Wind!", ich denk: "Huch, ich hab die Milch vergessen" und ein Kind sagt "Frau Georg Du hast ja keine Milch geholt, darf ich im Kämmerchen eine holen?"

Tagtäglich erleb ich, dass ein Kind meine Gedanken "liest" - und das ist schon toll. Aber mir fehlt einfach ein erwachsenes Gegenüber in der Gruppe, natürlich auch für allerlei organisatorisches, für Absprachen, für Tür- und- Angel-Gespräche mit Eltern, oder ganz praktisch mal für ne Pinkelpause, aber eben auch fürs ganze Gruppengefühl. Ich empfinde es - jetzt nach einem Jahr allein und im Vergleich dazu nach einer nur dreiwöchigen Zeit mit Praktikant - irgendwie sogar als unnatürlich, wenn Kinder im "familienähnlichen Alltag", den wir im KiGa anbieten, nur eine Bezugsperson erleben. Erwachsene in Beziehung zueinander, die gemeinsam arbeiten, interagieren, vielleicht mal uneinig sind und trotzdem ihre Konflikte lösen, und die natürlich auch mal miteinander lachen - ist das nicht viel sinnvoller? Für eine Kleinst-Kind-Gruppe vielleicht noch nicht, aber je größer die Kinder, desto wichtiger finde ich das.

Hach und gerade das Scherzen fehlt mir glaub ich am meisten. Mit Kindern scherze ich allerdings sooft es geht :)
Ich bin ja nicht so eine "distanzierte" Waldorferziehern, sondern ich mag es, herzlich mit den Kindern zu lachen - nicht rumalbern oder kaspern oder irgendeinen Blödsinn machen, sondern aufgreifen, wenn einer gerade seine schelmische Phase hat. So kommts schonmal vor, dass ich am Esstisch sitze, und dann von einer Seite ein "pieksen" merk - meist, aufgrund der Reichweite, am Bein oder am Ellenbogen. Dann weiß ich schon immer, wer das is, und guck dann mal so verstohlen zur Seite, und blicke in das freudestrahlende Gesicht eines Vierjährigen, der dann auch schon vergnügt quietscht :) Und dann verleitets mich manchmal, und ich tippe ihm von hinten auf die äußere Schulter, strahle zurück, wenn er dann erst auf die falsche Seite guckt, und dann zu mir, und sage "war ich nicht". :-))

Mir ist das sooo wichtig, dass die Kinder "ihre" Erwachsenen mit Freude und Heiterkeit erleben. Und die äußert sich bei mir halt durchaus auch auf dieser schelmischen Ebene. Manch einer gestandenen Anthroposophin stehn da wohl die Haare zu Berge. Aber das ist das, was bei mir ganz viel der Bindung ausmacht. "Autoritätsperson" bleibe ich dadurch trotzdem.

Tja und dann ist noch der Wunsch nach mehr Wald. Ich mag unseren Wald nicht so sehr. Er ist zu ... "geplant" ... ? Man kann zwar auch mal durchs Unterholz tapern, aber nie wirklich weit, dann ist man entweder wieder auf einem Weg, oder in einem dichten Dornengestrüpp. Viele Jogger, wenig Licht, wenig schön federnder Boden ... Tausend Hundehaufen :(

Ich möcht einen Wald mit Farnbeständen, einen Mischwald, in dem man unter hohen Tannen mal ne Mooslichtung findet, umgeben von Wiesen und Feldern, wo bestenfalls noch ein Flüsschen durchfließt ...

Und dann natürlich einen tollen Platz für einen Bauwagen, in dem es ein Öfchen gibt ... und für den Sommer eine Jurte, in der auch Feuer gemacht werden kann. Bei Wind und Wetter eine bestimme Zeitlang draußen sein, Natur erleben, noch ein Stück weiter weg von allen formgebenden materiellen Dingen, mehr hin zur völlig freiwerdenden Fantasie, formgebend bleibt dann der Tagesrhythmus und feste "Waldorfbestandteile", z.B. der Reigen, würde mit einfließen in den Alltag. Das wär schön...

Heute entdeckte einer meiner Vierjährigen im Wald einen wirklich großen, schönen Fliegenpilz. Und fragte mich allen Ernstes: "Was ist das?" Liegt das an mir, dass ich kaum glauben kann, dass ein Vierjähriger sowas fragt? Dass ich meine, "das weiß doch jedes Kind"?

Nein irgendwie seh ich langfristig meine Aufgabe nicht da, wo sie jetzt ist. Und gerade fiel mir eine Karte in die Hand, die ich zum letzten Geburtstag geschenkt bekam, und darauf steht:

"Was ich dir wünsche

Die Zuversicht und den Mut, die dich wagen lassen, was dir am Herzen liegt, ganz gleich, ob es leicht oder schwer ist. Und die Kraft und das Glück, die es gelingen lassen."

Kindermund

Das erste neue Kind ist heute in der Gruppe, dazu sind zwei weitere aus den Ferien zurück. Beim Frühstück wird eifrig erzählt, allerdings wild durcheinander und entsprechend laut. Ich hole gerade Luft für ein "schhhhhht" da schimpft eine vierjährige für alle gut hörbar: "Ooooh jetzt seid ma leise, die Frau Georg kriegt sonst ne Krise!!!"

Junge (3) berichtet von seinem Bauernhofbesuch: "Aufm Bauernhof da gabs gar keine Mädchen. [Pause] Nur 120 Kühe."

Ich will gerade in den Feierabend, da höre ich noch Geraschel im Waschraum. Ein Dreijähriger trohnt auf Toilette:
"So, jetzt bin ich fertig!"
Ich: "Na dann gehst Du wieder zu Frau M. in den Garten!"
Er: "Aber ich hab Stinker gemacht."
Ich: (hatte es schon gerochen, aber ich kenn den kleinen Pascha ja *gg*) "Ja und nun?"
Er (Befehlston): "Abputzen!!!"
Ich: "Wer?"
Er: "Du natürlich!" ... Natürlich ... aber auf das "bitte" hab ich bestanden. Kommt ma sich ja vor wie ein persönlicher Bediensteter ... *gg*

Meine Kollegin hatte einen Dialog mit einer Vierjährigen. Sie hatte ihr einen Vorschlag gemacht, in welcher Reihenfolge was zu passieren hat, und die Kurze antwortete: "Ist das jetzt n Deal oder was?!" :-)))

:-))

Doofe Frage ...

Ja, so am ersten Arbeitstag nach drei kinderfreien Wochen muss man sich doch wieder ein bisschen auf die Kommunikationsebene der Kinder einpegeln.

Wir gehen in den Wald und kommen an einem Fahrverbotsschild vorbei, das auch erkannt wird.

Junge (fast 4):"Ja, aber einmal sind wir mitm Papa hier im Auto hoch gefahren zu unserer Hütte."
Ich: "Was denn für eine Hütte?"
Junge: "Ja die aus Holz!"

Ja aber natürlich, hätt ich mir auch denken können ! :-)))

Klassischer Fall von ungeschickter Fragestellung im KiGa-Alltag :)

Naturentfremdung

Wie jedes Jahr im Mai/Juni besuchten heute die gesammelten Schulanwärter unseres Kindergartens den hiesigen Bio-Bauernhof, nämlich den Birkenhof.

(Jedesmal, wenn ich dort oben bin, steigt der Wunsch nach einem eigenen Mini-Bauernhof in mir auf. Das ist und bleibt einfach Thema.)

Die 23 Kinder hatten erstaunliche Berührungsängste. Die Hofkatze war sehr beliebt und ließ geduldig allen Lärm und jedes gegenstrichige Streicheln über sich ergehen, die Esel freuten sich auch, die Ziegen und Hasen ebenfalls. Aber bei den Kälbern, die neugierig ihre Schnauzen durch die Balken schoben, zuckten viele zurück, die Hofhunde waren auch nicht geheuer und eine Schweineschnauze packte dann tatsächlich niemand an.

Und das fand ich dann doch irgendwie befremdlich. Natürlich sind die etwas größeren Kälber schon ein imposanter Anblick, und die haben soviel Kraft, dass man auch hier aufpassen muss, bei einem ihrer Schädel-Stuber nicht von ihren kleinen aber massiven Hörnern erwischt zu werden. Aber die Gelegenheit mal ein Kalb zu streicheln, die ist dann ja nun selten, für viele Kinder war es sicher eine einmalige Möglichkeit. Und dann so ein Zögern, fast schon eine Angst davor? Als ich in dem Alter war, wär ich vermutlich in den Stall reingekrabbelt...

Und auch über die Schweine wurde sich sehr amüsiert, aber anfassen wollte niemand. Das ist einfach schade. Den Kindern fehlt jetzt schon soviel. Niemand ist mehr unbefangen.
Statt Spiel in Wald, Feld, Wiese oder eben Garten, Park, von mir aus Spielplatz gibts halt "Programm" in Form von Turnen, Musikschule, schwimmen, tanzen, Aikido, Reiki, Ballett, Reiten...
Und natürlch fernsehen. Auch wenn sie "nur" das Sandmännchen gucken dürfen ... Bei den meisten bleibts aber eh nicht dabei, was so weit geht, dass die Kinder gar nicht mehr ihre ureigene Phantasie ins Spiel bringen, sondern im Fernseh gesehenes nachspielen.

Wir brauchen dringend einen Waldkindergarten. Wir brauchen dringend Tiere im Kindergarten. Wir brauchen mehr "Landleben" und weniger Verkehr ... Wir brauchen mehr Zeit und weniger Beschäftigung. Wir brauchen mehr Lange-Weile und weniger Reizüberflutung.

Wir alle.

Kindermund

Kind wirft nach dem Mittagschlaf sein Kuscheltier durch die Gegend. Klare Ansage:"Es werden keine Kuscheltiere geworfen!!!" Nach 20 Sekunden fliegt wieder ein Kuscheltier durch die Luft, vom selben Kind geworfen. Er rechtfertigt sich: "Aber das war ja nicht mein Kuscheltier, das war Max' Kuscheltier!"

Die Kinder begutachten beim Zähneputzen ihre Tieraufkleber auf den Bechern. Es geht los: "Ha, ich bin eine Eule, ich kann nachts fliegen!" - "Dafür bin ich ein Tiger, ich bin richtig gefährlich!" - Und eine Dreijährige quietscht vergnügt: "Ha, und ich bin eine Schnecke. Ich kann euch vollschleimen." *ggg*

Regenspaziergang

Wie schön doch so ein verregneter Tag sein kann! Heute waren nur sechs Kinder in meiner Gruppe - es sind ja noch Ferien - und mit denen bin ich trotz Niesel und nassem, eher kühlen Wetter in den Wald gestiefelt. Da klar war, wir gehen bei dem Wetter nur spazieren, habe ich auch auf diese blöden Plastikhosen verzichtet, in denen die Zwerge schwitzen wie blöd; auch Gummistiefel wollt ich nicht, rutschen die doch auf feuchtem Boden viel mehr als normales, festes, wasserdichtes Schuhwerk. Ich bin da recht eigen, die Kinder sollen schließlich Wind und Wetter in allen Lagen erleben können, und da gehört eben auch so ein Feuchtigkeits-Erleben dazu, wenns eben nicht zu lang und zu kalt ist.

Wir stiefelten also munter los, und schon wenige Schritte hinter der KiGa-Tür begegneten wir den ersten paar Schnecken, was die Kinder dazu veranlasste, bewusst nach Schnecken zu suchen, sie nach Farben zu unterscheiden, und sogar zu ermahnen, gut zu gucken, dass man bloß nicht auf eine drauftritt und sie "kaputt macht". :)

Der Wald selbst glühte regelrecht in einem magnetischen, hellen, satten grün, ein richtiges Vibrieren lag in der Luft, ganz herrlich... Die Zweige hingen tief vom Regen, und ich animierte die Kinder: "Kapuze auf und ab unter die Regendusche!" - was jauchzend und jubelnd umgesetzt wurde.
Die Luft war kühl, aber angenehm frisch und klar, und so ein regennasser Wald ist einfach ganz anders .... er klingt anderes, er fühlt sich anders an ... er riecht sogar anders. Ganz herrlich, eine rundum gelungene Sinneserfahrung, nicht nur für die Kinder *lach*

Leider bleibt auch "unser" Wald vom Müll nicht verschont, so dass ich immer mal wieder eine leere Zigarettenpackung, ein Trinktütchen o.ä. aufsammelte; die Kinder folgten meinem Beispiel begeistert und eine Vierjährige sagte sogar:"Das ist ja voll eklig soviel Müll in dem schönen Wald!" - ich gab ihr Recht. An eine Stelle kamen wir, da waren drei große Holzstapel aufgebaut, und einer davon war auf einer Seite verkohlt, also die Scheite warn gut ein Drittel durchgekokelt, die rumrumliegenden Bäume auch, und ein beißend-würziger Aschegeruch lag in der Luft. Das hat mich ziemlich erschrocken - wie schlimm riecht denn dann ein verbranntes Waldstück? Ich will's nie nie nie erfahren ...

1 1/4 Stunden und 101 Schnecken (laut einem Sechsjährigen) später empfing uns der heimelige Kindergarten mit seiner Wärme, den leckeren Küchendüften, Handtüchern für die etwas feuchten Haare und einem warmen Tee im Stuhlkreis. Die Kinder waren noch gar nicht wieder richtig angekommen, ich merkte, wie so noch völlig erfüllt von diesem Regenspaziergang waren; wir hatten noch etwas Zeit bis zum Mittagessen, und mir war danach, ein Märchen zu erzählen; rein intuitiv wählte ich "Jorinde und Joringel", was ich auch frei erzählen kann, verzichtete auf künstliches Licht und zündete nur ein Kerzchen auf dem Jahreszeitentisch an.

Mit leiser Stimme, ganz langsam, erzählte ich das Märchen und nahm die Kinder mit in meine Bilder; begleitet bloß vom Klopfen einzelner Regentropfen. Und so waren wir alle sieben für rund zehn Minuten nur noch körperlich anwesend - wenn das nicht magisch ist, dann weiß ich es auch nicht.

Was so ein Regentag alles macht... :)

Waldörfliches

Nun sind zwei Drittel meines ersten "offiziellen" Kindergartenjahres in Gruppenleitung rum; und ich merke immer mehr, dass vieles (noch?) nicht so meins ist, wie ich eigentlich dachte. Natürlich stehe ich hinter dem anthroposophischen Menschenbild - aber eben nicht nur. Auch Anthroposophen neigen dazu, ihr eigenes Süppchen zu kochen, und die schwimmt dann in einem Teller, dessen Rand meilenweit weg ist. Meilenweit.

Es gibt einfach Kinder, an denen geht "vorbildhaftes Tun" völlig vorbei. Es gibt Kinder, die keine eigene "Religiosität" mehr haben, keine verzauberte Ehrfurcht vor den Dingen, sondern wirklich die "kleinen Intellektuellen" sind, wie es Maria Montessori (glaub ich) mal sagte. Die haben nichts davon, wenn ich ihnen den Tausendfüßler zeige und in die Hand setze, da ist kein Staunen mehr - dat Tierchen müsste zerschnippelt und unters Mikroskop gelegt werden. Mach ich natürlich nicht. Aber das wäre bei manchen Kindern einfach dran.

Und es gibt Kinder, die verstehen weder meine Gesten, mein Tun, noch meine Sprache, weil sie in einer ganz anderen Welt zuhause sind. In einer Welt, die eine andere Kultur und eine andere Sprache hat, die gefüllt ist mit den neuen Medien und die sich auf ein paar Quadratmeter grauer Innenstadtwohnung befindet.

Für fast alle Kinder ist der Waldorfkindergarten eine andere Welt. Also Kindergarten ist eh immer eine andere Welt als zuhause, ja, aber der Waldorfkindergarten dann doch nochmal spezieller. Auch die Eltern, die Elemente aus dem KiGa nach Hause übernehmen, schaffen den Gleichklang oft nicht; Waldorfpädagogik ist mehr als Handarbeit und Naturmaterialien als Spielzeug, und mehr als alles andere ist es meiner Meinung nach der Blick aufs Kind. Und damit schließe ich ganz klar den Reinkarnationsgedanken ein. Eurythmie, Reigen, Nachahmung - damit können die Eltern gut leben. Bei Begriffen wie Ätherleib wirds schon schwieriger, und wenn dann noch der Reinkarnationsgedanke kommt, gehen bei vielen die inneren Türen zu.

Ist ja auch in Ordnung. Die Eltern müssen nicht zu Anthroposophen oder anderweitig Spirituellen werden. Sie müssen nur helfen, die Brücke zwischen zuhause und Kindergarten zu bauen. Ein bisschen was von unserem Lernansatz mittragen.
Und: die Waldorfpädagogen müssen diese Brücken mitbauen. Vielleicht nicht den Eltern mit Fachliteratur hinterherrennen und predigen, sondern sie da abholen, wo sie sich gedanklich befinden, ihre Sicht aufs Kind ausweiten und Anregungen für die Gestaltung des Alltags zuhause geben.

Wobei da das nächste Problem liegt. Ich bin dafür ausgebildet, eine Kindergartengruppe zu leiten, das heißt, den Alltag im Kindergarten dem Alter und Entwicklungsstand der Kinder entsprechend zu gestalten. Punkt. Zuhause ist nunmal nicht Kindergarten und ich bin keine Erziehungsberaterin. Oft vertröste ich Eltern im Gespräch, weil ich mir selbst erst Rat oder Fachliteratur zu ihren Fragen suchen muss.

Manchmal frag ich mich auch, was die Eltern nun wollen. "Waldorf bitte ja, aber nur so wie ich mir das vorstelle." Viele wählen Waldorf, um für ihr Kind etwas "anderes" und "besonderes" zu haben, ohne auch nur ein bisschen was unserer Pädagogik mittragen zu können. Vielen ist das alles auch egal, die freuen sich, dass ihr Kind im KiGa gut aufgehoben ist. Das sind mir eigentlich die liebsten, die reden mir auch nie rein. *gg*

Wie ist es also nun mit meiner Waldorfpädagogik? Ich weiß es noch nicht so ganz genau. Ich weiß, dass ich mich damit gut verbinde, aber ich weiß auch, dass die Welt der Eltern keine "heile Waldorfwelt" ist.

Und ein großer Störfaktor für mich ist die enge Verbundenheit der Anthroposophie zum Christentum. Ich möchte den Kindern nicht diese Art Religiosität vermitteln. Ich möchte den Kindern die Liebe zur Natur und allem Lebenden mit auf den Weg geben. Abseits jeder von Dogmen geprägten Weltanschauung; wohl aber auch so weit weg wie möglich vom Materialismus. Abgesehen von der Überforderung, die Fernsehen, PC und Kino für die Kinder darstellt, vermitteln diese Dinge auch ein Gefühl der "Notwendigkeit", die Bilder sind bunter, schneller, witziger als manches echte.

Und eine Erziehung in den Weltfilm hinein ist das letzte, was ich für "meine" Kinder will. Soviel weiß ich ganz ganz ganz 100%ig. :)

Kindermund

Wir säen unser Ostergras. Junge (4): "Guck ma, ich kann das schon gut, ne?" - Junge (5): "Ja aber ich kann das noch guter."

Ich schneide aus Pappe Eier aus, die die Kinder bemalen, als Namensschilder für die Ostergärtchen. Mädchen (5) hält eins in der Hand: "Frau Georg, was ist das?" - "Das ist ein Ei!" - entrüstete Antwort: "Ich hab keine Eier!!!!" (gemeint war natürlich "ich habe noch kein solches Ei"; aber diese Aussage in einem leichten türkisch-deutschen Slang und dem Gesichtsausdruck war einfach Gold wert...)

Kind (5) erzählt von der kleinen Schwester (1): "Weißt Du, einmal hat die Nora einen richtigen Menschenhaufen gekackt wie als ob sie groß wäre."

Kindermund

Mädchen (4): "Und weißt Du, meine Mama ist immer ganz schimmelig!" - Ihre Mama lag im Krankenhaus und ihr war immer schwindelig. :)

Kind (5) balgt und rauft und muss bei der Kollegin auf dem Schoß mal ein bisschen Halt bekommen. Er wehrt sich und rüpelt und hat richtig Kraft. Kollegin: "Na, da kann ich mir vorstellen, wie das zuhause ist bei euch!" - Kind: "Nee. Zuhause bin ich nicht so."

Tischgespräch im Kindergarten. Die Kinder freuen sich an den Weidenkätzchenzweigen, die in der Vase auf dem Tisch stehen.
Kinder: "Guck mal, die sind heute schon größer als gestern!" - "Ja, und die wachsen auch einfach so, nur vom Wasser!" - fragende Blicke in meine Richtung; ich war gerade auch völlig in den Anblick der ersten puscheligen Weidenkätzchen versunken und freute mich aus tiefstem Herzen darüber, dass es nun endlich spürbar Frühling wird; eigentlich wollt ich sagen, "ja, von Wasser, und von Luft und Licht", sagte aber, versunken wie ich war: "Und von Licht und Liebe."

Wir gehen in den Wald, wo wir wegen Karneval und fiesem Wetter eine Woche lang nicht waren. Nach zehn zurückgelegten Metern fängt ein Kind (3) jämmerlich an zu heulen und zu schluchzen: "Frau Georg, ich kann nicht mehr."

Ein Mädchen (4) erzählt von zuhause: "Wenn die Mama zum Sport geht, sind wir immer in der Kinderbetreuung. Die Mama isst nämlich keine Süßigkeiten mehr, damit der Bauch nicht dick wird. Nur noch Schokoladenplätzchen."

Ein Junge (4) muss nach dem Mittagsschlaf zur Toilette: "Kommt nicht hier rein, hier stinkt's jetzt!"
logo

Soul on Fire

Kein Feuer ohne Funken!

drin oder draußen?

Willkommen!

~ Login

Funkenmenü

Blogdurchsuchung

 

Fürs Protokoll

Online seit dem 11. August 2005
Zuletzt aktualisiert am 24. Nov, 19:02

Gestaltet für eine Auflösung von 1280 x 1024 px.
Beste Optik mit Firefox ohne Lesezeichen - Sidebar *g*