Rezension: Die Hütte
Wie bloß beginnt man ein Buch zu rezensieren, das einen tief beeindruckt und enorm bereichert hat? - Vielleicht mit dem aus tiefstem Herzen kommen- den Eröffnungssatz: Ich habe lange kein so wunderbares Buch mehr gelesen, wie "Die Hütte". William P. Young macht uns in seinem Roman mit Mack bekannt, einem glücklich verheirateten Familienvater, der durch den gewaltsamen Verlust seiner jüngsten Tochter Missy einen Großteil seiner Lebensfreude und seines Gottvertrauens verloren hat. Als ihn an einem eisigen Wintertag ein seltsamer, handgeschriebener Brief erreicht, folgt er der darin enthaltenen Einladung in die Hütte- in genau die Hütte, in der die letzten Hinweise auf Missy gefunden und die schlimmsten Befürchtungen zur qualvollen Gewissheit wurden. Dort angekommen, begegnet er nun auch dem geheimnisvollen Absender des Briefes: niemand geringerem als Gott selbst, der ihm persönlich seine nagenden Zweifel und drängenden Fragen beantworten und ihm über seine Große Traurigkeit hinweg helfen will.
Nachdem der Leser auf den ersten Seiten mit Macks Vergangenheit und dem Verlust seiner Tochter Missy konfrontiert wird, beginnt also mit Mack's Erreichen der Hütte nun das eigentliche Wochenende mit Gott. Nicht ohne den ein oder anderen Überraschungseffekt öffnet Young dem Leser in den nun folgenden Dialogen zwischen Mack und Gott Türen in die Welt des (vornehmlich christlichen) Glaubens, ohne dabei aufdringlich oder dogmatisch zu sein. Im Gegenteil: Young schafft es, mit einem verknöcherten und verkirchlichten Gottesbild aufzuräumen und beschreibt stattdessen einen lebendigen Gott mit einer gehörigen Prise weisem, anrührenden Humor. In einer reichen, bebilderten Sprache lässt er dem Leser die Möglichkeit, sogar die ein oder andere Bibelstelle in einem ganz neuen Licht zu sehen und scheut sich auch nicht vor kleinen Exkursionen in andere spirituell- esoterische Bereiche (Thelema, Karma & Reinkarnation).
Die Gespräche zwischen Gott - der übrigens, soviel sei an dieser Stelle schonmal verraten, hier in seiner Dreifaltigkeit als Vater, Sohn und heiliger Geist anwesend ist - und Mack lassen viel Raum für eigene Gedanken, ohne intellektuelle Höchstleistungen zu fordern. Sie berühren vielmehr seelisch, sie sind lebendig, man muss sich hineinfühlen. Sie verlangen allerdings auch eine große Offenheit und durchaus echtes Interesse an spiritueller Thematik und christlicher Mythologie. Es bleibt das ein oder andere "ja, aber..." auf der Zunge, aber genau DAS macht es meiner Meinung nach äußerst spannend.
"Die Hütte" ist ein wunderbarer Streifzug durch die Welt der Spiritualität, der sich, wenn man das denn möchte, ganz praktisch im alltäglichen Leben weiterführen lässt; es bedarf, GOTTSEIDANK, ja keiner Schicksalsschläge, um einen lebhaften Dialog mit Gott - in welcher seiner Formen auch immer - zu beginnen.. Denn: Gott ist ein Verb. "Ich werde sein, was ich sein werde. Ich bin ein Verb! Ich bin lebendig, dynamisch, ewig aktiv und immer in Bewegung. Ich bin ein Geschehen, nichts Feststehendes."
"Die Hütte" erscheint am 12.06. als gebundene Ausgabe im Allegria Verlag und ist für 16,90 Euro zu haben. Oder Glück haben und auf vorablesen.de ausgewählt werden ;)
