Letztes Jahr habe ich begonnen, eine Kerze anzuzünden, wenn jemand starb, der mir selbst oder einem meiner Lieben sehr nah war. Viermal brannte das Licht, fünfmal wären es gewesen, wenn ich früher im Jahr angefangen hätte. Viermal brannte es für mir unbekannte Menschen und einen Vierbeiner.
Heute brennt es zum ersten Mal in diesem Jahr.
Wieder für jemanden, der mir eigentlich unbekannt ist, aber auch wieder nicht.
Wie widme ich also diese Zeilen jemanden, den ich nicht kenne, der mich aber zweimal auf sehr klare und eindringliche Weise in meinen Träumen besucht hat? Am besten, indem ich einfach erzähle ...
Beim ersten Traum vor rund einer Woche kannte ich sein Gesicht noch nichtmal, wusste aber, wer er war. Wie man das im Traum immer weiß.
(Zumal die Person, die mich mit ihm verbindet, dabei war. Die Person, die Grund meiner aktuellen Playlist ist ...)
Er umarmte mich, war fröhlich, heiter. Sagte mir etwas, an das ich mich nicht erinnere. Leider, denn es war irgendetwas wichtiges. Und dann ging er mit schnellen, beschwingten Schritten durch meine Haustür raus und verschwand. Zu diesem Zeitpunkt lag er bereits seit zwei Tagen ohne Bewusstsein im Krankenhaus.
Das Foto von ihm, das mir Tage später seine Tochter zeigte, sah aus wie er, nur ohne den stoppeligen Drei-Tage-Bart.
Letzte Nacht war er wieder bei mir. Oder nein, gar nicht, ich war bei ihm. Sah ihm zu, wie er in einem Buch schmökerte, und sich mit Post-Its immer wieder etwas darin markierte. Ich konnte die Zigarette im Aschenbecher riechen und die Buchseiten rascheln hören. Ich war da.
Vor wenigen Stunden ist er gestorben.
Ich wünsche ihm von Herzen eine gute Reise auf die "andere Seite", in die "geistige Welt", zurück ins Paradies oder zumindest in sein eigenes ... wo immer wir nun wirklich landen, wenn unser Rad sich wieder in die Ausgangsposition dreht.
Ich hoffe, ich erinnere mich bald an die vergessenen Worte.