Irland 2008

6. Tag: Beara Peninsula

Der letzte Tag neigt sich dem Ende. Diese eine Woche verging viel zu schnell, wieder einmal haben wir irgendwie viel zuviel Zeit im Auto verbracht. So ein Mietwagen verleitet eben auch, sich viel anzugucken. Wir waren nach den Touren immer so platt, dass wir noch nicht mal im Pub waren... Wat ja eigentlich schon fast n Verbrechen ist ... Es gab keine langen Wanderungen oder Spaziergänge, die sich sicher auch gelohnt hätten. Mein nächster Urlaub wird definitiv wieder einer mit Rucksack, Zelt, Busticket und independen hostel.

Der Tag heute war aber auf jeden Fall nochmal superschön. Durch den Killarney National Park - nochmal an meiner Hostel aus 2003 vorbei, der Sugan - gings nach Kenmare und weiter nach Glengarriff, von dort dann auf den Ring of Beara, der uns in den wahrhaft wilden Westen Irlands führte.

Erster Stop war, wie sollte es anders sein, ein Steinkreis. Das Örtchen in der Nähe nennt sich Derrintaggart, falls jemand da mal hin möchte :-)
13 stehende Steine habe ich gezählt, plus einen außen vorliegenden. Wie bei den Piper's Stones. In der Mitte noch ein Stein, den jemand wohl dahingelegt hat, vor langer Zeit. Centstücke lagen darauf. Ich formte ein Pentagramm aus Gras drumrum und wünschte, dass die Wünsche der Wünscher in Erfüllung gehen, so sie denn von Herzen kamen.

Weiter gings durch einmalig schöne, raue Küstenlandschaft in stetem auf und ab bis an den südwestlichesten Zipfel Bearas, dorthin, wo Irlands einzige Seilbahn über eine garstig spitzfelsige Bucht zwischen hier und der vorgelagerten Insel Dursey pendelt. Die Holzkabine bietet Platz für maximal 6 Personen, wenn Schafe dabei sind, entsprechend weniger, denn die haben Vorrang, um von einer Weide auf die andere transportiert zu werden. Nein, das ist kein Witz! Man riechts, wenn man sich der Gondel auf 2m nähert. *lach* ICH würd jedenfalls nicht mitfahren, das sah mir nicht sonderlich vertrauenerweckend aus...

Auf dem Rückweg hielten wir ein paarmal für diverse schöne Ausblicke, und ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie schön es wäre, jeden Morgen nach dem Aufstehen dieses Bild vom Meer, der reißenden Brandung, grünen sanftgeschwungenen Hügeln und hohen, schroffen Felswänden vor der Nase zu haben, den Geruch von Meer und damit verbunden einem Hauch von Freiheit in der Nase. Die nächstgrößere Stadt 1 Std entfernt, der nächste Nachbar 10 Gehminuten ...

Die "Wirklichkeit" holte uns in Killarney schlagartig wieder ein. Menschenmassen, viel Verkehr, brodelndes samstägliches Nachtleben. Die irische Stadtjugend braucht dringend ne Stilberatung. Besonders die 16-20jährigen Mädels, die bei 10°C halbnackt auf 12cm High Heels rumstaken. War jedenfalls grandioses Kino. Und ansonsten, es hat was. Die Pubs brummend voll, Livemusik dröhnte uns entgegen, Türsteher davor, alles in fröhlicher Ausgehlaune.

Nächstes mal muss ich mich auch mal in das irische Nachtleben stürzen. Und ein nächstes Mal wird's ganz sicher geben. Nun aber heißts Abschied nehmen, morgen früh um 9 Uhr geht der Flieger. *seufz* Schade.

I'll be back soon ...
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5. Tag: The Burren

Der heutige Tag war vor allem eins: nass. Dauerregen von früh bis spät, alles grau in grau. Best Irish weather ...
Los ging's, unerschrocken, durch das sehr betriebsame und auf den ersten Blick nicht sonderlich schöne Städtchen Limerick bis ins County Clare, wo wir eigentlich gerne die Cliffs of Moher gesehen hätten. Die aber verschwanden komplett im dichten Nebel; hören konnte man das Meer, sehen noch nichtmal die Absperrungen und Warnschilder. Die ganze Anlage an den Klippen entpuppte sich als einzige Touri-Falle, mit einem rieeeesigen Visitor Centre, Shops, Restaurants, Ausstellung und ner Art Kino. Und das Parken pro PKW schlug mit 8 Euro zu Buche.
Diese Aktion war also, alles in allem, mal grad voll für'n Arsch, da wir die 10min dort nur verbrachten, um zu sehen, dass es wirklich nichts zu sehen gab ...

Damit der Tag nicht verloren war, machten wir uns auf in den Burren, der sich durch das heutige Wetter noch rauer und karger zeigt, als er eh schon ist: Boireann ist das irische Wort für "felsiges Land". Kilomterweit erstrecken sich helle Steine, die aussehen, wie eine große gepflasterte Straße für Riesen. Einer bizarren Mondlandschaft gleich ranken in deren teilweise recht breiten und tiefen Spalten Gräser und Efeu. Man könnte meinen, wenn man sich ganz auf diesen Ort einlässt, man stünde auf kilometerhohen Steinsäulen am Rande des Nichts.

Es gibt hier keine Bäume und keine typisch irischen sattgrünen Felder. Hier und da ist der Boden dicht mit niedrigem Gebüsch bewachsen. Im Frühjahr und Sommer bieten die Steine einer Vielzahl Pflanzen Schutz zum farbenfrohen blühen - jetzt herrscht hier einfach nur Ödnis. Faszinierende Ödnis, allerdings.

Der Poulnabrone Dolmen, ein 5000 Jahre alter Dolmen, erhebt sich inmitten einer solchen Felsfläche surreal in die Höhe. Sind ander Dolmen irgendwie rund, höhlig und "weich", ist dieser hier kantig und dürr. Passend eben in dieser Region.

Reist man weiter durch den Burren, laden halbverfallene Ruinen immer wieder zum kurzen Verweilen ein. Kirchen, die von der Natur zurückerobert werden und deren Eingangsportal eine heidnische Sheila-na-Gig Figur ziert: eine Frauenfigur, die mit den Händen ihre Vagina spreizt.
Ein altes Herrenhaus, dessen Legende von der früheren Lady erstaunliche Parallelen zu den alten Göttermythen hat. Ein Ringfort, das auf bewegte Zeiten in dieser Einöde schließen lässt.

Mittlerweile waren wir völlig durchnässt, also beschlossen wir, uns auf den Heimweg zu machen.
Einige Straßen waren jedoch wegen Überflutung gesperrt, so verließen wir den Burren in Richtung Norden, wo ganz plötzlich das satte irische grün wieder beginnt, während man auf einer Seite noch durch Mondlandschaft fährt.

Irland ist einfach ein unglaublich kontrastreiches Land. Die Zeit ist, wie auch im Rest von Großbritannien, irgendwie so etwa 15 Jahre zurück, besonders was Technik, Infrastruktur und Innenarchitektur betrifft: Die Straßen sind viel zu klein für die heutigen Autos, zu holprig sowieso. Gas-Wasser-Installationen würden jedem deutschen Azubi Lachtränen in die Augen treiben. Der bevorzugte Trainingshosen-Look der irischen weiblichen Jugend war bei uns "voll 80er", und bei uns würde auch nie jemand auf einer winzigen kurvenreichen Landstraße am Rande einer Steilklippe das Schild "100km/h" aufstellen. Wasserhähne haben nur selten Mischbatterien, Türen keine richtigen Klinken. In Restaurants liegt dicker Flauscheteppich, und auch ein "prämiertes" Restaurant hat flodderige Tapete an der Wand pappen, die irgendwo wellt oder sich ganz abhebt. Sowas ist eben einfach egal. Ein festes Vollkornbrot wird man vergebens suchen.

Dafür ist das Leben an sich hier auch wesentlich entspannter, es läuft eben ein bisschen langsamer. Man bleibt sogar weitestgehend von den Weltnachrichten verschont, da sich die Iren weitaus mehr für ihre eigene Politik und ihr Land interessieren. Die Iren sind ein sehr patriotisches Völkchen, offen, herzlich, ein bisschen derb. Sie wissen noch die alten Sagen und Legenden der Gegenden. Ein bisschen ist es hier, wie im Auenland der Hobbits. Was meiner Meinung nach unbedingt erhalten bleiben sollte. Fragt sich eben, wie lange noch ...
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4. Tag: Glendalough mit Zwischenstops

*lach* Da wollte Joe gerade raus zum rauchen und hatte die Tür gerade offen, da flitze "unser" Kater auch schon rein und zielstrebig bis vor den Kühlschrank. Ein kleiner buntgemusterter struppiger Kater ist es, der ein total quengeliges, heiseres Miauen von sich gibt. Heut morgen hatte er nämlich von Joe ein Stückchen Wurst bekommen. Tja und jetzt wird natürlich selbstverständlich von einer Wiederholung ausgegangen. *lach* Jetzt sitzt er gerade auf meinem Schoß und lässt es sich gutgehen.

Der heutige Tag führte uns erneut zu Steinkreisen, alten Ruinen und wunderschöner Landschaft. Erstes Ziel war der Brown's Hill Dolmen bei Carlow, seines Zeichens Europas größter. Ein imposantes Relikt aus frühen Zeiten allemal, jedoch durch Lage und Zaun drumrum eher enttäuschend...

Also ging's weiter Richtung Glendalough, aber ein Schild mit der Aufschrift "Piper's Stones" ließ uns einen spontanen Zwischenstop einlegen. Über eine Weide - was auch sonst - gelangt man auf eine Hügelkuppe und zu einem wunderschönen Steinkreis, bestehend aus 13 großen, im Kreis stehenden Steinen und einem großen, abseits liegenden, der genau Osten markiert. Die Legende besagt, dass ein "Piper", also Flöter oder Dudelsackspieler, hier einige Leute versammelte und sie ein Fest mit Musik und Tanz feierten. Da an diesem Tag aber ein Feiertag war, wurden sie, zur Strafe quasi, zu Stein. Der Spieler, das ist der Stein außerhalb, und die 13 stehenden Steine, das sind seine Tänzer ...

Eingesäumt in diesen Steinkreis steht ein ewig alter knorzeliger Baum, bzw. liegt mehr als dass er steht; er blüht aber noch und trägt kleine rote Beeren. An seinen Zweigen hängen Bänder, Wunschbänder, die die Leute als Teil von sich hier hinterlassen und dafür um etwas bitten. Ein lahmer Widder, wohl der Hüter des Kreises, hatte Zuflucht vor Wind und Wetter unter diesem Baum gesucht und beäugte uns neugierig, aber gelassen.

Ich selbst hatte nichts, was ich an den Baum hätte binden können, aber ich hatte auch keinen Herzenswunsch. Aber einen Flusen Schafswolle fand ich, die sicherlich von dem Widder stammte. Ich zwirbelte sie ein bisschen und band sie um den Baum, mit dem Wunsch, dass der Widder bald wieder genesen möge. Eine Weile noch verbrachte ich an einen der Steine gelehnt und mit mir und der Welt im Reinen, dann fuhren wir weiter.

Einen weiteren Zwischenstop legten wir ein, in den kargen, aber schönen Wicklow Mountains, an einer Farmhaus-Ruine. Im stürmischen Nieselwetter war gut vorstellbar, wie rau, karg und dürftig das Leben hier mal gewesen sein muss ...

Später, in Glendalough angekommen, passte der Wind und der Nieselregen immernoch, als wir am Upper Lake entlanggingen, der dunkel und ruhig zwischen dicht bewaldeten Hügeln eingebettet liegt. Stille und Frieden umgibt diese Gegend, zumindest jetzt, außerhalb der Touri-Hochsaison. In der Gegend verteilt gibt es einige Überreste alter Bauten; eine Kapelle zum Beispiel, oder auch das Zimmer des Eremiten, der die Gründung dieser späteren klösterlichen Hochburg quasi "verursachte", da ihm junge Mönche nacheiferten auf der Suche nach spiritueller Einkehr und immer mehr von ihnen sich dort in Glendalough einfanden.

Zahlreiche Wege führen um den Upper Lake, waldreich, ruhig ... nur den schönen, tosenden Wasserfall hört man von weitem.
Eine etwas andere Ruhe findet man am Lower Lake, bzw. auf dem Friedhof, beim Round Tower, an der alten Kirche ... Die Größe der Anlage lässt vermuten, wie wuselig es hier einst zugegangen sein muss, war diese Stätte doch geistlicher Ausbildungsort und als socher sehr belebt und auch immer in Plündergefahr.

Ich hatte heute die Zeit und Ruhe, ein paar Gedanken kreisen zu lassen. Unter anderem über Magie. Die Magie heidnischer Orte liegt für mich weniger darin, dass dort vor vielen Hundert Jahren den alten Göttern gehuldigt und rauschende Rituale zelebriert wurden, sondern vielmehr darin, dass dort der Beginn unseres heutigen europäischen Weltverständnisses liegt, besonders natürlich in den Steinkreisen, die zweifellos kalendarische Funktion hatten. Aller Anfang ist magisch, immer. Sei es ein neuer Gedanke, ein neuer Weg, eine neue Aufgabe, eine neue Liebe, eine neue Wohnung ... Der Anfang hat immer einen ganz eigenen Zauber, auch wenn er schwer ist.

... Schwer ist jetzt sicher aus, Adoptivkater James von meinem Bett runterzupflücken und vor die Tür zu setzen. Wir haben halt kein Katzenklo hier ...
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3. Tag: Kells Priory & Kilree Round Tower

Den Großteil des Tages verbrachten Joe und ich heute getrennt, da ich in einem Kindergarten in Callan, County Kilkenny, hospitierte. Ein Blick über den Tellerrand der deutschen Waldorfpädagogik hinaus und in die irische Version des Waldorfkindergartens. Sehr schön wars dort, vieles vertraut, vieles anders, aber natürlich dieselbe Liebe zum "Ursprünglichen", dieselbe Liebe der Erzieherinnen zur Arbeit mit den Kindern. Und spannenderweise ist eine der Co-Workerinnen, mit der ich damals in Wales im Camphill zusammen im Victoria House gearbeitet hab, mittlerweile dorthin gewechselt; der Kindergarten ist nämlich Teil einer großen Camphill-Gemeinschaft. Ist die offene Stelle dort Zufall oder Schicksal?

Als ich wieder in Callan "city" *lach* ankam, war es gegen 18 Uhr, und eine wunderschöne Abendsonne stand am blauen Himmel. Ideal für einen Abstecher zur Kells Priory, bzw. deren Überresten. Der frühste Teil davon konnte bis ins 12. Jh zurückdatiert werden, die jüngeren Überreste stammen aus dem 15. Jh.

Mitten im Weideland verbindet ein Schutzwall - originalgetrau wiedererbaut - sieben mehr oder weniger verfallene Türme. Innerhalt des Walls befindet sich eine alte Augustinerabtei sowie die Grundmauern einiger Kapellen und Häuser. Nach einer gewissen Magie suchte ich an diesem Ort, wo einst Mönche versuchten, im "Book of Kells" in Wort und Bild das alte Keltentum mit dem neuen Christentum zu verbinden, vergebens, dank Baugerüsten und Teenie-Ansturm. Schade!

So fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter zum Kilree Round Tower. Die Rundtürme, die im 8./9. Jh als Wachtürme und Zuflucht bei Wikingerangriffen dienten, gelten als Symbole Irlands. Der Eingang in etwa 3m Höhe ist nur über eine Leiter erreichbar.
Dieser Rundturm nun war besonders harmonisch eingebettet in einen kreisrunden Hain aus mächtigen alten Bäumen (ich muss unbedingt mal Baumkunde betreiben), die wiederum ein Blätterdach über eine verfallene kleine Kirche und einen dazugehörenden Friedhof bilden.

Betritt man diesen Hain, ist es sofort still und dunkel. Die Zeit bleibt stehen. Der weiche Waldboden unten und das dichte Blätterdach oben dämpfen Licht und Laute. Auch trockenes Laub, auf das man tritt, raschelt irgendwie viel leiser als normal...
Ein bisschen mehr Licht fällt durch die Blätter auf und in die Kapelle, die bestimmt viele Geschichten weiß, für die, die länger dort verweilen. Der Friedhof streckt sich bis fast an die Grenzen des Hains. Ein besonders altes Grab befindet sich in irgendwie würdevollem Abstand und bildet, vom Eingang aus kommend, mit der Kapelle und dem Tower ein Dreieck.

Der Ort nahm mich völlig gefangen, manchmal glaubte ich, ein Raunen zu hören, ein Flüstern ... Manchmal raschelten Blätter direkt neben meinem Ohr. Aber nie fühlte ich mich unwohl, im Gegenteil, eine geheimnisvolle Ruhe geht von diesem Ort aus, die etwas friedliches und irgendwie verheißungsvolles in sich trägt.

Verlässt man den Hain dann wieder, kann man über die Weide bis zu einem alten Hochkreuz gehen, das angeblich das Grab eines frühen irischen Königs markiert, der starb, als er einen seiner Diener vor dem Ertrinken rettete. Da er kein Christ war, wurde er abseits der Kapelle begraben.

Dann: zurück zum Cottage, im Dunkeln, wieder mit Hörbuch. Eine Anderswelt in der Anderswelt, sozusagen. :-)
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2. Tag: Dingle Peninsula

Heute wollten wir dem schlechten Wetter entfliehen und beschlossen, an die Südwestküste zu fahren. Die Wahl fiel auf die Dingle Peninsula, dem obersten der vier "Finger" im Südwesten. Die Fahrt zum Ausgangspunkt Castlemaine dauerte ermüdende drei Stunden, dafür brach dann fast genau mit Erreichen des County Kerry die Sonne durch die nieselnden Wolken, und der weitere Tag wurde ein einziges Panorama, bestehend aus dramatischen Lichtspielen, aus dem Meer emporsteigenden Regenbögen, windumtosten Küstenörtchen, einsame Buchten und fast karibische Traumstrände. Kein Foto kann die Magie, die sich dort an der Küste in Form von Wind und Wetter abspielt, festhalten; und würde ich alles aufschreiben, was ich heute gesehen habe, würde es trotzdem nur ein fader Eindruck der Wirklichkeit sein...

Schon der erste Strand war ein Volltreffer: Inch Beach bietet weitläufigen, feinen Sandstrand, kristallklares Wasser, das mich natürlich schnell Schuhe und Socken ausziehen ließ, eine schöne Hügelkulisse, großartige Wolkenberge und eine für Surfer attraktive, raue Brandung, die von einer lokalen Surfschule genutzt wurde.

Im Zickzack ging es weiter über die Halbinsel: über Camp nach Castlegregory, nach Clogham und über den szenischen Connor Pass runter nach Dingle. Von dort weiter nach Ventry und Dunquin und in einer Schlaufe zurück nach Dingle, immer wieder anhaltend, ein paar Meter gehen, Szenerie genießen...

Beim letzten Stop hinter Dunquin fanden wir eine genial schöne Bucht; eine Halbmondin stand hoch über dem Meer und ein Standing Stone ragte aus der Wiese. Kein altertümlicher heidnischer Stein, sondern ein Gedenkstein an einen geliebten verstorbenen Menschen. Und allein dadurch besaß dieser Stein mehr Magie, als manch "echter" Standing Stone...

Wieder in Dingle kehrten wir um 22 Uhr noch beim Chinesen ein. Praktischerweise weiß man da ja, was man bekommt, egal in welchem Land man ist *g*
Die Rückfahrt im Dunkeln begleiteten uns Maggie, Mo und Staubfinger aus Tintenherz. Insgesamt 9 Stunden verbrachten wir im Auto, im Vergleich dazu nur 5 irgendwo draußen... Da kam so ein Hörbuch gerade recht :) Und jetzt gibts, wie gestern, auch nur den direkten Weg ins Bett.
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1. Tag: Cashel, Cahir, Lough Gúr

Willkommen in Irland! Joe und ich sind gestern hier angekommen und haben, neben einem großen 307er Peugot als Mietwagen auch ein kleines süßes Cottage in der Nähe von Tipperary bezogen. Gut, es ist wirklich klein, es gibt keine Mischbatterie im Waschbecken, die Steckdosen müssen einzeln an- und ausgeschaltet werden und wenn einer duscht, tropft es aus der Küchenlampe. Aber das hier ist eben Irland, da ist das so. *lach* Wir haben dafür eine verhältnismäßig moderne Küche, eine Mischbatterie gibts tatsächlich in der Dusche, und frische Blumen auf dem Tisch. :)

Die Gegend hier, Glen of Aherlow, ist wunderschön, eine Hügelkette - die Galtee Mountains - dominiert die sonst eher flache Landschaft und vom Cottage aus hört man keinen Verkehrslärm.

Tipperary selbst ist eine recht geschäftige kleine bunte Stadt mit einer sehr verkehrsreichen engen Hauptstraße. Alles ist bunt, wie es so typisch ist und die erste Begegnung im obligatorischen Take Away gestern abend war total freundlich. Gestern abend gab es noch einen großartigen Sternenhimmel, heut ist das Wetter eher trübe. Aber das macht nichts, damit war schließlich zu rechnen. Mal schauen, was der Tag so bringt!
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Auf dem Weg Richtung Cashel stoppten wir bereits nach wenigen Minuten an der "Holy Christ Statue". Nicht, weil ich so sehr auf Jesus stehe, sondern weil man von dort aus einen fantastischen Blick über die Landschaft und die Galtees hat. Tiefhängende Fetzenwolken ließen die Bergkuppen nicht erkennen, aber die hier und da durchblitzende Sonne tauchte die grüne Feld- und Wiesenlandschaft in stimmungsvolle Lichtwechsel.

Weiter ging's nach Cashel, zum "Rock of Cashel". Dieser "Fels" dominiert das Örtchen; auf seiner Kuppe erheben sich, in Ruinenform, eine Kathedrale, ein Rundturm und eine hübsche Kapelle, alle stammen aus verschiedenen Jahrhunderten:
Der Rundturm etwa im 12. Jh, 1127 dann die (in Irland erste) romanische Kapelle und im 13. Jh wurde die Kathedrale erbaut, die die Kapelle an einer Seite quasi verschluckt, auf der anderen dafür aber mit ihr solide abschließt. Interessante Architektur! Cashel ist die ver-englischte Version des gälischen "Caiseal", was "Festung" bedeutet. Mehr als 1000 Jahre lang war der Rock of Cashel das Machtzentrum der Region und Sitz der Könige und Bischöfe. Bis etwa ins 10. Jh konkurrierten Cashel und Tara sogar als Machtzentren von ganz Irland.
Man geht davon aus, dass im Laufe der Jahre zahlreiche Gebäude auf dem Rock of Cashel standen, aber nur die jetzt noch stehenden den diversen Machtwechseln und Cromwell's Armee in 1647 standhalten konnten.

Von dort oben aus war es ein angenehmer kleiner Fußmarsch hinab zu den Ruinen von Hore Abbey. Ursprünglich hatten Mönche aus Glastonbury hier ein Benediktinerkloster gegründet. Als aber im 13. Jh der Erzbischof träumte, die Mönche würden ihn ermorden, verbannte er sie und wandelte es in ein Zisterzienserkloster um.

Eine schöne, frei zugängliche Ruine ist die Hore Abbey, ohne "visitor centre" und Infotafeln steht sie mitten im Feld, ein Ort voller Atmosphäre und ohne Touri-Aufläufe.

Von Cashel aus fuhren wir nach Cahir, um Cahir Castle zu besichtigen. 1142 wurde dieses Schloss, eins der schönsten und größten in Irland, ergab sich 1650 dann Cromwell's Militärdruck.
Cahir Castle ist ein gut erhaltenes, zweimal restauriertes Schloss und leider innen komplett weiß gestrichen... Aber es gibt massive Steinmauern, Türme zum rein- und raufklettern, Wehrgänge und Verliesen zum rumstreunen. Also eigentlich alles, was der Schloss-Fan so braucht :) Die meisten Räume sind begehbar und mit altem Mobiliar ausgestattet, oder mit Fotowänden mit Infos über andere Schlösser. Alles in allem kein Must-See, aber auch keine verschenkte Zeit.

Die letzte Station des Abends war nun Lough Gúr, wo es neben einem alten Hügelgrab und diversen Ruinen auch den größten und am besten erhaltenen Steinkreis Irlands geben sollte. Die Wegbeschreibung im Lonely Planet war irgendwie nicht ganz klar, so irrten wir um den See herum, kamen auch an das - unspektakuläre und nicht sehr atmosphärische - Hügelgrab. Weiter gings im Bogen zur Hauptstraße, die prompt wegen eines Unfalls gesperrt war. Wir mussten also umkehren, sahen aber dafür auf dem Rückweg eine absolut schöne düstere Kirchenruine. Deren Überreste standen gekauert zwischen den Bäumen, mit Blick auf den in der Dämmerung liegenden See; dahinter ein alter Friedhof, über uns der Himmel schwarz von Krähen, die unser Eindringen schreiend kommentierten. Ein bisschen Gänsehaut machte sich breit, und bald ließen wir den Ort in der Stille zurück, die ihn auch vor unserem Besuch umgab...

Mittlerweile war es auch fast ganz dunkel, aber endlich fanden wir auch den Grange Stone Circle. Ein großer, perfekt geformter Kreis aus 113 Steinen inmitten wunderschöner großer uralter Bäume. Einen "offiziellen" Eingang gibt's, den zwei fast gleich geformte Steine markieren, eine kleine Passage führt hinein in den Steinkreis...

Während wir die Atmosphäre vor Ort genossen und gedanklich Fackelschein, gewandete Priester/innen und Kreistänze zur Szenerie hinzufügten, kam Timothy zu uns, der Besitzer des Farmlands, auf dem der Steinkreis steht. Er wohnt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, und sucht oft den Kontakt zu den Besuchern. Er kümmert sich allein um den Erhalt dieses magischen Ortes, und sammelt dafür Spenden und verkauft kleine Broschüren über Lough Gúr, in dem alle magischen Orte rund um den See aufgelistet sind. Stolz zeigt er uns außerdem ein amerikanisches Buch, "The Children of Ireland" welches sich mit den irischen Wurzeln der Amis beschäftigt. Seine Kinder strahlen uns von der Titelseite an; nur älter seien sie halt geworden, sagt er. Auch "sein" Steinkreis ist im Buch abgebildet.

Er erzählt uns außerdem von den Menschen, die den Steinkreis besuchen, und wie unterschiedlich sie sich doch verhalten. Der eine mehr, der andere weniger skurril *gg* Außerdem finden sich am Vorabend des Sommersonnenwendtags zahlreiche Menschen am Steinkreis ein, zelten auf den umliegenden Feldern, und versammeln sich früh morgens gegen vier Uhr, um zu beobachten, wie die allerersten Strahlen der Morgensonne unmittelbar bei Sonnenaufgang die Eingangspassage mit Licht durchfluten. Wenn das nicht eine Idee für 2009 wäre. :-)

Es ist mittlerweile Nacht geworden. Wir verewigen uns in Timothy's Gästebuch, und er gibt uns eine Postkarte mit, sein Adresstempel schon darauf, und bittet uns, sie ihm doch aus Deutschland zurückzuschicken. Das machen wir gerne, und auch möchten wir dem überaus sympathischen, von Stolz erfüllten Farmer mit dem derben irischen Akzent, dem hinkenden Bein und den junggebliebenen Augen beim Erhalt des New Grange Stone Circles helfen, und kaufen zumindst eine Lough Gúr - Broschüre.

Ein langer, wunderschöner erster Irland-Tag neigt sich dem Ende. Die Gemütlichkeit des Cottages verlangt nach einem Absacker-Cidre, und dann nur noch nach schlafen.

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