Willkommen in Irland! Joe und ich sind gestern hier angekommen und haben, neben einem großen 307er Peugot als Mietwagen auch ein kleines süßes Cottage in der Nähe von Tipperary bezogen. Gut, es ist wirklich klein, es gibt keine Mischbatterie im Waschbecken, die Steckdosen müssen einzeln an- und ausgeschaltet werden und wenn einer duscht, tropft es aus der Küchenlampe. Aber das hier ist eben Irland, da ist das so. *lach* Wir haben dafür eine verhältnismäßig moderne Küche, eine Mischbatterie gibts tatsächlich in der Dusche, und frische Blumen auf dem Tisch. :)
Die Gegend hier, Glen of Aherlow, ist wunderschön, eine Hügelkette - die Galtee Mountains - dominiert die sonst eher flache Landschaft und vom Cottage aus hört man keinen Verkehrslärm.
Tipperary selbst ist eine recht geschäftige kleine bunte Stadt mit einer sehr verkehrsreichen engen Hauptstraße. Alles ist bunt, wie es so typisch ist und die erste Begegnung im obligatorischen Take Away gestern abend war total freundlich. Gestern abend gab es noch einen großartigen Sternenhimmel, heut ist das Wetter eher trübe. Aber das macht nichts, damit war schließlich zu rechnen. Mal schauen, was der Tag so bringt!
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Auf dem Weg Richtung Cashel stoppten wir bereits nach wenigen Minuten an der "Holy Christ Statue". Nicht, weil ich so sehr auf Jesus stehe, sondern weil man von dort aus einen fantastischen Blick über die Landschaft und die Galtees hat. Tiefhängende Fetzenwolken ließen die Bergkuppen nicht erkennen, aber die hier und da durchblitzende Sonne tauchte die grüne Feld- und Wiesenlandschaft in stimmungsvolle Lichtwechsel.
Weiter ging's nach Cashel, zum "Rock of Cashel". Dieser "Fels" dominiert das Örtchen; auf seiner Kuppe erheben sich, in Ruinenform, eine Kathedrale, ein Rundturm und eine hübsche Kapelle, alle stammen aus verschiedenen Jahrhunderten:
Der Rundturm etwa im 12. Jh, 1127 dann die (in Irland erste) romanische Kapelle und im 13. Jh wurde die Kathedrale erbaut, die die Kapelle an einer Seite quasi verschluckt, auf der anderen dafür aber mit ihr solide abschließt. Interessante Architektur! Cashel ist die ver-englischte Version des gälischen "Caiseal", was "Festung" bedeutet. Mehr als 1000 Jahre lang war der Rock of Cashel das Machtzentrum der Region und Sitz der Könige und Bischöfe. Bis etwa ins 10. Jh konkurrierten Cashel und Tara sogar als Machtzentren von ganz Irland.
Man geht davon aus, dass im Laufe der Jahre zahlreiche Gebäude auf dem Rock of Cashel standen, aber nur die jetzt noch stehenden den diversen Machtwechseln und Cromwell's Armee in 1647 standhalten konnten.
Von dort oben aus war es ein angenehmer kleiner Fußmarsch hinab zu den Ruinen von Hore Abbey. Ursprünglich hatten Mönche aus Glastonbury hier ein Benediktinerkloster gegründet. Als aber im 13. Jh der Erzbischof träumte, die Mönche würden ihn ermorden, verbannte er sie und wandelte es in ein Zisterzienserkloster um.
Eine schöne, frei zugängliche Ruine ist die Hore Abbey, ohne "visitor centre" und Infotafeln steht sie mitten im Feld, ein Ort voller Atmosphäre und ohne Touri-Aufläufe.
Von Cashel aus fuhren wir nach Cahir, um Cahir Castle zu besichtigen. 1142 wurde dieses Schloss, eins der schönsten und größten in Irland, ergab sich 1650 dann Cromwell's Militärdruck.
Cahir Castle ist ein gut erhaltenes, zweimal restauriertes Schloss und leider innen komplett weiß gestrichen... Aber es gibt massive Steinmauern, Türme zum rein- und raufklettern, Wehrgänge und Verliesen zum rumstreunen. Also eigentlich alles, was der Schloss-Fan so braucht :) Die meisten Räume sind begehbar und mit altem Mobiliar ausgestattet, oder mit Fotowänden mit Infos über andere Schlösser. Alles in allem kein Must-See, aber auch keine verschenkte Zeit.
Die letzte Station des Abends war nun Lough Gúr, wo es neben einem alten Hügelgrab und diversen Ruinen auch den größten und am besten erhaltenen Steinkreis Irlands geben sollte. Die Wegbeschreibung im Lonely Planet war irgendwie nicht ganz klar, so irrten wir um den See herum, kamen auch an das - unspektakuläre und nicht sehr atmosphärische - Hügelgrab. Weiter gings im Bogen zur Hauptstraße, die prompt wegen eines Unfalls gesperrt war. Wir mussten also umkehren, sahen aber dafür auf dem Rückweg eine absolut schöne düstere Kirchenruine. Deren Überreste standen gekauert zwischen den Bäumen, mit Blick auf den in der Dämmerung liegenden See; dahinter ein alter Friedhof, über uns der Himmel schwarz von Krähen, die unser Eindringen schreiend kommentierten. Ein bisschen Gänsehaut machte sich breit, und bald ließen wir den Ort in der Stille zurück, die ihn auch vor unserem Besuch umgab...
Mittlerweile war es auch fast ganz dunkel, aber endlich fanden wir auch den Grange Stone Circle. Ein großer, perfekt geformter Kreis aus 113 Steinen inmitten wunderschöner großer uralter Bäume. Einen "offiziellen" Eingang gibt's, den zwei fast gleich geformte Steine markieren, eine kleine Passage führt hinein in den Steinkreis...
Während wir die Atmosphäre vor Ort genossen und gedanklich Fackelschein, gewandete Priester/innen und Kreistänze zur Szenerie hinzufügten, kam Timothy zu uns, der Besitzer des Farmlands, auf dem der Steinkreis steht. Er wohnt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, und sucht oft den Kontakt zu den Besuchern. Er kümmert sich allein um den Erhalt dieses magischen Ortes, und sammelt dafür Spenden und verkauft kleine Broschüren über Lough Gúr, in dem alle magischen Orte rund um den See aufgelistet sind. Stolz zeigt er uns außerdem ein amerikanisches Buch, "The Children of Ireland" welches sich mit den irischen Wurzeln der Amis beschäftigt. Seine Kinder strahlen uns von der Titelseite an; nur älter seien sie halt geworden, sagt er. Auch "sein" Steinkreis ist im Buch abgebildet.
Er erzählt uns außerdem von den Menschen, die den Steinkreis besuchen, und wie unterschiedlich sie sich doch verhalten. Der eine mehr, der andere weniger skurril *gg* Außerdem finden sich am Vorabend des Sommersonnenwendtags zahlreiche Menschen am Steinkreis ein, zelten auf den umliegenden Feldern, und versammeln sich früh morgens gegen vier Uhr, um zu beobachten, wie die allerersten Strahlen der Morgensonne unmittelbar bei Sonnenaufgang die Eingangspassage mit Licht durchfluten. Wenn das nicht eine Idee für 2009 wäre. :-)
Es ist mittlerweile Nacht geworden. Wir verewigen uns in Timothy's Gästebuch, und er gibt uns eine Postkarte mit, sein Adresstempel schon darauf, und bittet uns, sie ihm doch aus Deutschland zurückzuschicken. Das machen wir gerne, und auch möchten wir dem überaus sympathischen, von Stolz erfüllten Farmer mit dem derben irischen Akzent, dem hinkenden Bein und den junggebliebenen Augen beim Erhalt des New Grange Stone Circles helfen, und kaufen zumindst eine Lough Gúr - Broschüre.
Ein langer, wunderschöner erster Irland-Tag neigt sich dem Ende. Die Gemütlichkeit des Cottages verlangt nach einem Absacker-Cidre, und dann nur noch nach schlafen.
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